AMRready4KARL: Ergebnisse des Auftakt-Workshops „Methodenvielfalt“ – Eine Bestandsaufnahme der angewandten Methoden zur PCR-basierten Überwachung von Antibiotikaresistenzgen-tragenden Bakterien im Abwasser
Am 29. Mai 2026 fand im Rahmen des BMFTR-geförderten Forschungsprojekts AMRready4KARL ein virtueller Workshop mit dem Titel „Methodenvielfalt“ statt. Das Forschungskonsortium hinter dem Projekt besteht aus dem Forschungsinstitut für Wasserwirtschaft und Klimazukunft an der RWTH Aachen e.V. (FiW), dem Institut für Medizinische Virologie sowie dem Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der Universitätsmedizin Frankfurt. AMRready4KARL wird darüber hinaus von den assoziierten Partner EGLV, LANUK und das Gesundheitsamt Frankfurt am Main aktiv begleitet. Rund 50 Teilnehmende aus dem AMELAG-Netzwerk, der Wasserwirtschaft und dem öffentlichen Gesundheitsdienst folgten der Einladung des Projektkonsortiums, um den aktuellen Stand der PCR-basierten Methoden zur Antibiotikaresistenzüberwachung im kommunalen Abwasser zu diskutieren und ihren fachlichen Input einzubringen. Die Ergebnisse der begleitenden Umfrage liefern dem Konsortium wertvolle Erkenntnisse bei der Entwicklung von qualitätsgesichertem und standardisiertem Referenzmaterial für die Antibiotikaresistenzüberwachung im Abwasser.
Die überarbeitete EU-Kommunalabwasserrichtlinie (EU-KARL) schreibt künftig die PCR-basierte Antibiotikaresistenzüberwachung (engl. antimicrobial resistance, AMR) von Antibiotikaresistenzgen-tragenden Bakterien in kommunalen Abwässern vor (engl. wastewater-based epidemiology, WBE). Doch geeignete, standardisierte Methoden zur Qualitätssicherung und -kontrolle von AMR-WBE fehlen bislang weitgehend. AMRready4KARL hat sich daher die Entwicklung und Anwendung von qualitätsgesichertem und standardisiertem Referenzmaterial auf Basis von Virus-ähnlichen Partikeln (VLPs) für die Umwelt-Diagnostik multiresistenter Gram-negativer Bakterien und AMR-Gene im Abwasser zum Ziel gesetzt. Aufgebaut aus Papillomavirus-Kapsidproteinen sind sie umweltstabil, nicht infektiös und können direkt ins Rohabwasser gespikt werden. Somit sollen sie erstmals Laborvergleiche zur Harmonisierung analytischer Methoden von AMR-WBE, analog zum AMELAG-Ringversuch für SARS-CoV-2, ermöglichen.
Um die praktische Einsetzbarkeit von VLPs für AMR-WBE zu evaluieren wurden zu Projektbeginn alle relevanten Akteure aus dem AMELAG-Netzwerk, der Wasserwirtschaft und dem öffentlichen Gesundheitsdienst in einem Auftakt-Workshop nach ihren eingesetzten Methoden befragt: eine Live-Umfrage gab den Teilnehmenden die Möglichkeit, anonym und in Echtzeit Auskunft über ihre Labormethoden und -erfahrungen zu geben.
Die Umfrage umfasste Fragen zu Anforderungen an zukünftige Referenzmaterialien und Laborvergleiche, sowie zur aktuellen Detektionspraxis. Beinahe 90 % der Teilnehmenden gaben an, über Erfahrung mit der Abwasserüberwachung von Viren zu verfügen. Im Vergleich dazu berichtete weniger als die Hälfte der teilnehmenden Labore, AMR-WBE bereits durchzuführen. Die Detailbefragung zu den eingesetzten Methoden, von der Probenvorbehandlung über die Probenaufbereitung und Nukleinsäureextraktion bis hin zur PCR-Analytik, offenbarte insgesamt eine erhebliche Methodenvielfalt bei AMR-WBE. Gleichzeitig zeigte sich, dass WBE für AMR und Viren nicht nur hinsichtlich der Methodenvielfalt, sondern auch in der konkreten Methodenwahl deutliche Überschneidungen aufweisen.
Somit werden derzeit in fast allen Analyselaboren gemeinsame Ansätze für Viren und AMR eingesetzt, was für eine hohe Praxistauglichkeit von VLPs als Referenzmaterial für AMR-WBE spricht. Daran anknüpfend wurde die Entwicklung erster VLPs bereits initiiert und die notwendigen Vorbereitungen für ihre Produktion laufen derzeit an.
Das AMRready4KARL-Konsortium bedankt sich herzlich bei allen Teilnehmenden des Workshops für ihren wertvollen Beitrag.